Brewpaganda – 57 L Pro 2-Geräte-Sudwerk

Brewpaganda: Was kann die modulare Brauausrüstung für die Heimbrauszene im Baukastensystem? Wir haben die Geldbörsen ausgeweidet und uns ein klassisch-schnörkelloses 2-Geräte-Sudwerk in der 50 L Klasse geordert…
Und getestet.

Steht man als Heim- und Hobbybrauerin oder -Brauer vor der Entscheidung, sich das erste eigene bescheidene Sudwerk jenseits der Glühweinkocher-plus-Mattmill-Läuterblech-Ausstattungsstufe zuzulegen, ist die erste und oftmals gleichzeitig auch die letzte Frage: Wie viel Budget steht mir zur Verfügung? Ob die Partnerin/der Partner damit einverstanden ist, stellt man dann meist erst empirisch fest: nämlich nach Anschaffung. Sofern die reine Eigenbau-Variante nicht in Frage kommt, bietet der Markt mittlerweile mehr oder weniger gut „optimierte“ und „automatisierte“ Glühweinkocher an, die mangels besser Bezeichnung oftmals unter der Bezeichnung „Vollautomaten“ reüssieren. Hier ist ein Mangel an Optionen sicherlich nicht zu beklagen:  preislich im Bereich zwischen € 500 und € 4.000 angesiedelt, bedienen Bielmeier Brausystem, Brewmonk, Braumeister, Braueule und wie sie alle heißen, fast jeden Geldbeutel und Anspruch an Automatisierungsgrad.

Traditionell konzipierte „Nano“-Sudwerke – klassisch mit Maischkessel,  Rührwerk, Läuterboden und Würzepfanne – sind hingegen eher rar gesät. Neben Blichmann Engineering und Polsinelli ist der Markt hier recht überschaubar – von der Verfügbarkeit ganz zu schweigen.

Brewpaganda geht hier einen überaus interessanten und sehr innovativen Weg: das Baukasten-Sudwerk. Christoph Eckert aus dem oberpfälzischen Hemau bietet eine Vielzahl an Einzelkomponenten in verschiedensten Ausführungen an, aus denen man sich sein „Wunsch-Sudwerk“ modular selbst zusammenstellen kann.

Beginnend bei den verfügbaren Volumina der Maischkessel, Läuterbottiche und Würzepfannen (zwischen 38 L und 500 L) mit verschiedensten Modifizierungen und unmodifizierten Kesseln sind noch verschiedenste Läuterboden-Varianten, Rührwerksysteme und sogar zylindrokonische Gärtanks in Edelstahl mit analogem Thermometer im Sortiment enthalten. Zusätzlich bietet Christoph Eckert aber auch für alle Entscheidungsunwilligen bereits zusammengestellte Sudwerk-Sets in unterschiedlichen Preisklassen und Ausstattungsstufen an.

Wir haben uns für eine „klassisch-einfache“ Variante in der 50 L-Klasse entschieden, die wir uns aus Einzelkomponenten zusammengestellt haben. Entsprechende Mailanfragen zu Ausstattungs-Details an Herrn Eckert wurden rasch beantwortet, die Empfehlungen waren kompetent und wirkten keineswegs verkaufsorientiert. Die von uns georderte Ausstattung umfasste dabei:

 

  • Einen Hybrid-Maischkessel (Maischkessel mit Läutervorrichtung, induktionstauglich, Liter- und Gallonenskalierung) 57 L, 1/2 “ Kugel-Auslaufhahn (VA) mit Schlauchtülle (13 mm) und angeschweißter Flansch sowie analogem Thermometer
  • Einen unmodifizierten Braukessel, 57 L, als Würzepfanne (Liter- und Gallonenskalierung)
  • Ein Filterstück mit 2 Bazooka-Filtern (je 15 cm) als Läutervorrichtung
  • Ein verstellbares „Volksrührwerk“ (Blatt-Rührorgan)mit Deckel
  • 12 V/30 W Getriebe-Motor mit Verkabelungsset und Netzteil

Induktionskochplatten (Hendi 3,5 KW M, Caso Pro 3500) sowie ein MattMill-Läuterboden (Ø 397 mm, haben wir statt der Bazooka-Filter eingesetzt, um die Kompatibilität mit dem Rührwerk zu testen) standen bereits zur Verfügung. Der Maischkessel wurde zusätzlich mit einer Schicht Armaflex XG (19 mm) isoliert.

 

Im Test:

Der erste Sud war bereits eine recht hart zu knackende Nuss für unsere Kombination.  So mancher bekannte „Vollautomat“ wäre zweifelsohne erbärmlichst daran erstickt (wir sprechen aus Erfahrung, nennen aber keine Namen).  Ein American Wheat Wine, Schüttung: 100 % Weizenmalz.  Nach schnell erfolgtem Justieren der Stellschrauben für die Höhe des Rührblattes zur Anpassung an den Läuterboden und Aktivieren des Rührwerks lief selbiges vollkommen problemlos. 10 kg Weizenmalz, 40 L Hauptguss, das ganze auch recht zügig, grobschlächtig-primitiv und plump eingemaischt, ganz nach dem Motto: Friss, Hund – oder stirb! Kurzzeitig, für wenige Augenblicke, ließ sich der Getriebemotor die Brachial-Beanspruchung anmerken – es drängte sich die Frage auf, ob die günstigste und schwächste Motorisierungsvariante im Angebot der Schüttung auch tatsächlich gewachsen war. War sie. Und zwar anstandslos. Der Tanz auf der Läuterkatastrophe sollte gar nicht erst stattfinden.

Das „Volksrührwerk“ macht also anstandslos seinen Job und ist zudem mit einem Strömungsbrecher ausgestattet der, wie auch das Blattrührwerk, über Flügelmuttern mit wenigen Handgriffen höhenverstellbar ist. Zusätzlich ist es für alle Kessel mit einem Durchmesser von bis zu 41 cm und (mit entsprechenden Anpassungen) auch für den haushaltsüblichen Glühweinkocher geeignet – darauf wird löblicherweise auch auf der Homepage hingewiesen. Das Rührblatt selbst hat dabei einen Durchmesser von 32 cm.

Der Aufbau ist intelligent-einfach und mag auf den ersten Blick zwar etwas rustikal wirken – das System selbst ist dadurch aber extrem robust und konstruktionsbedingt wartungs- und putzfreundlich.

Das Rührwerk steckt stundenlangen Dauerbetrieb ebenso klaglos weg wie „unsachgemäße kaltverformende Maßnahmen“. Und damit kommen wir auch zum einzigen echten Kritikpunkt. Genau solche Maßnahmen waren nämlich nach dem vierten Braugang nötig.

Die Fixierschrauben, die die Haltelaschen (und damit das Rührwerk) am Kessel (oder Abstandshalter) arretieren sollen, waren derart in den Laschen festgefressen, dass aus dem Schraubendreher letztlich ein Gewindebohrer wurde. Das Problem löste schließlich – subtil und elegant – ein Bolzenschneider. Hierzu muss allerdings angemerkt werden, dass dies der erste derartige Fall war, der Herrn Eckert bekannt ist. Und wir sind auch nicht unbedingt für materialschonenden Umgang bekannt. Herr Eckert empfiehlt, die Schrauben nur handfest zu arretieren und wir hätten vielleicht auch gut daran getan, sie einzufetten. 

Wie auch immer, hier wäre eine Gewindebuchse in den Haltelaschen eventuell eine Verbesserung, wobei die Schrauben für den Betrieb eigentlich gar nicht notwendig sind. Das Eigengewicht und die Haltelaschen (in den Kessel-Griffen verkantet) halten das gesamte Rührwerk sicher in Position. Solange man nicht auf die Idee kommt, ins laufende Rührwerk zu fassen oder mit dem Maischethermometer die Läuterboden-Temperatur zu messen. Es soll solche Leute geben.  

Überaus positiv hervorzuheben ist die Fertigungsqualität der Kessel: isolierte Griffe und eine Füllstandsanzeige in Litern und Gallonen erleichtern den Braugang vom Maischen bis zum Würzekochen erheblich – zudem ist der  Stahl (WNr. 1.4301) schweiß- und damit bastelfreundlich. An- und Umbauten sind damit ohne größere Schwierigkeiten durchführbar.  Anmerkung: die Lieferung der Kessel erfolgt selbstverständlich inklusive der Deckel. 

 

Fazit:

Klare Kaufempfehlung, vor allem in Anbetracht des Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Aufgerechnet, inklusive einer 3,5 KW Induktionskochplatte (die Brewpaganda ebenfalls anbietet), kommt man für das braufertige „Nano-Sudhaus“ auf Preise von unter € 900 (Versandkosten nicht mitgerechnet). Fügt man dem noch einen Glühweinkocher als Heißwassertank (oder Backup-Maischkessel) und ein klassisches Läuterblech hinzu, legt man (je nach Varianten) noch etwa € 200 drauf.

Preislich kann das mit den bekannteren Vollautomaten problemlos konkurrieren – und bietet dazu noch zwei entscheidende Vorteile.

Erstens: Die Brewpaganda-Ausstattung ist durch das Baukastensystem beliebig erweiter- oder modifizierbar, ohne dass die bereits vorhandenen Elemente dadurch überflüssig werden. 

Zweitens: das System ist extrem flexibel und kann auf alle denkbaren Ansprüche und Aufgaben abgestimmt werden, wobei es auch anstandslos Schüttungen frisst, vor denen einige weitaus teurere Vollautomaten läuterlos kapitulieren.

Mittlerweile hat das System einige Sude auf dem Tacho, darunter auch anspruchsvollere Schüttungen wie etwa einen Weizen-Doppelbock (Weizen-Schüttungsanteil: 70 %). Außer den Fixierschrauben sind bis dato keinerlei Probleme aufgetreten. 

Freilich kann man ein Rührwerk auch selbst konstruieren, Stahl-KEGs aufschneiden und Maischkessel und/oder Läuterbottich daraus basteln. Es mag auch sein, dass es die günstigere Option ist. Für alle aber, die handwerklich weniger begabt sind, oder denen schlicht die Zeit zum Basteln fehlt, sind die Brewpaganda-Systeme eine mehr als brauchbare Alternative zu fairen Preisen. Zusätzlich ist der Shop auch allen anzuraten, die eben einfach einen Kessel/Kochtopf brauchen. Die Füllstandsanzeige, die Verarbeitung und der Preis sind Extras, die uns hier auch reuelos wieder zuschlagen lassen werden.

Die Anlage wird zudem auch in Zukunft weiterhin ausgiebig getestet werden: Julia Jamnig, Dissertantin am Institut für Pflanzenwissenschaften (Graz), braut damit einige ihrer Experimental-Sude, die unter anderem die Effizienz unterschiedlicher Maischverfahren bei Pseudocerealien erheben sollen. 

Die große zusätzliche Stärke von Brewpaganda: Die Technik ist nicht komplexer als notwendig. Das schränkt nicht ein, im Gegenteil: es erweitert die möglichen Anwendungen.

Hier geht’s zu Brewpaganda 

 

 

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